« Prügelnde Betriebsräte in Osnabrück: Facetten der (Bagatell-) Kündigung | Home | Hypokrisie »
Dr. jur. habil. Lech Kaczynski, Arbeitsrechtler und Staatspräsident Polens
Von Wolf Reuter | 11.April 2010
Ein kleiner Nachruf:
Dr. Lech Kaczynski, frei gewählter Präsident der (freien) Republik Polen, ist bei einem Flugzeugabsturz am Freitag tragisch ums Leben gekommen.
Die mehrfache Betonung des Wortes “frei” ist aus vielerlei Gründen so wichtig. Polen war einst unglaublich unfrei. In den 80er Jahren war die kommunistische sog. “Volksrepublik” Polen eine der wenigen kommunistischen Militärdiktaturen der Welt, ein trauriger Titel. Panzer rollten, um die Gewerkschaft Solidarnosc zu unterdrücken. Es nützte nichts. Polen hat, das ist nicht zu leugnen und wirklich nicht pathetisch, die Fackel der Freiheit nach dem zweiten Weltkrieg in Europa getragen. “Frei” bedeutet auch, dass man in Deutschland damit leben musste, dass ein Lech Kaczynski Staatspräsident war, obwohl er sich oft gegen die europäische Union stellte und Deutschland, das sein Land so oft so schlecht behandelt hatte, misstraute. Warum auch nicht, wer hat hier schon gemerkt, was im Kriegsopferland Polen die Nachricht auslöste, dass Gerhard Schröder mit den Russen kumpelte und eine Erdgaspipeline eben mal an Polen vorbei baute. Lech Kaczynski war frei gewählt und hatte als solcher wegen seiner vielen politischen Grobheiten mehr Häme und Beleidigungen zu dulden - aus der Politik des “Westens” - als so mancher seiner kommunistisch-diktatorischen Vorgänger, von Geremek bis Jaruselski.
Und er war ein Kollege.
Ja. Lech Kaczynski - er hatte Jura studiert, im Arbeitsrecht promoviert und sich im Arbeitsrecht 1996 habilitiert.
Und das war nicht, wie so oft, bloß politisches Beiwerk. Lech Kaczynski war aktiv an den Kämpfen, Solidarnosc als erste freie Gewerkschaft zu etablieren, beteiligt. Mit dem legendären Arbeiterführer Lech Walesa saß er am “Runden Tisch”, der diese Zugeständnis den Kommunisten abrang und den Vertrag - ebenso legendär - mit einem riesigen Stift, auf dem Papst Johannes Paul II. abgebildet war, unterzeichnete. Arbeitsrechtliche Kenntnisse waren damals gefragt. Das polnische Arbeitsrecht war theoretisch zum Teil kompatibel mit der Idee freier Gewerkschaften, die Praxis entsprach aber natürlich den gleichgeschalteten Traditionen der Gewaltherrschaft anderer kommunistischer (und auch faschistischer) Regime. Auch damals musste jemand also an den Statuten der neuen Gewerkschaftsbewegung arbeiten - juristische Kärrnerarbeit. Irgendjemand musste es ja machen - Lech Kaczynski war es in diesem Fall. Alle, die sich gerne mit den großen Wort der “Gewerkschaft” schmücken (ja, das gilt für FAU und CGZP auch!), können sich ihr Scherflein Demut bei Solidarnosc und dem verstorbenen polnischen Staatspräsidenten abholen.
Aus Anlass seines Todes soll auch dieser - in Deutschland wenig beachteten - Aspekte der Persönlichkeit und des Lebens Lech Kaczynskis gedacht werden.
Es gab sicher genug Negatives über die Arbeit des Mannes im Politischen zu sagen. Das soll den politischen Kommentatoren überlassen werden. Dem Arbeitsrechtler aus Warschau wird auch von seinen politischen Feinden in Polen (Kommunisten ausgenommen) attestiert, er habe innenpolitisch den Kommunismus endgültig zu Fall gebracht und Polen damit auch endgültig den Weg zur Demokratie gesichert. Darüber soll die Geschichte entscheiden. Dass der Mann auf einem Flug zu Gedenkfeier nach Katyn, jenem polnischen Schicksalsort, in einer Maschine russischer Bauart verunglückt: Kann die Geschichte noch tragischer sein?
Verwandte Artikel
Literatur zum Thema
Topics: Uncategorized |


















11.April 2010 at 7:09 pm
Nach dem tragischen Tod des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, frage ich mich wirklich, wie das passieren konnte. Wenn ein Flugzeug 4 mal versucht zu landen, was zur Hölle ist doch da in den Kopf des Piloten gefahren. Hatte der keine Ausbildung oder gab es da keinen Wetterbericht. Für mich klingt das alles sehr merkwürdig. Nun wir werden sehen, was die Untersuchung ergibt.
12.April 2010 at 6:51 am
Gibt es einen Grund, warum Sie “Solidarnisc” falsch schreiben?
12.April 2010 at 9:13 am
@Hans: Machen Sie doch auch
29.Juli 2010 at 9:53 pm
zajebie was wszystkich…Kaczynski moja krew!!!!