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Gabriela S., die ethnisch diskriminierte Ossi - sind Ostdeutsche eine Ethnie?

Von Wolf Reuter | 27.November 2009

Ist der/die Ossi eine Ethnie? Wir haben die Meldung für einen Jux gehalten, aber, liebe Schwaben, das Arbeitsgericht Stuttgart wird es jetzt voll erwischen.

Die Klägerin - Gabriela S.(*) hatte sich, aus Lichtenberg (für Auswärtige: Das ist ein Stadtteil von Berlin, gell? - und ja, er liegt im OSTEN!) kommend, bei einem Fensterbauer in Stuttgart beworben (Quelle: Morgenpost online http://www.morgenpost.de/politik/article1213127/Sind-Ostdeutsche-eine-eigene-Ethnie.html). Die Junge Welt nennt sogar den Namen des Arbeitgebers, was wir mal lassen wollen.

Gabriela S. wurde nicht genommen. Auf den freundlicherweise zurückgesandten Bewerbungsunterlagen stand “Ossi”. Nur das, handschriftlich. Jetzt liegt dem Arbeitsgericht Stuttgart eine Entschädigungsklage nach dem AGG vor. Denn § 1 AGG verbietet nicht nur die Diskriminierung wegen der “Rasse” (**), der man angehört, sondern auch, aus “ethnischen Gründen” diskriminiert zu werden. Ist der/die Ostdeutsche eine Ethnie?

Man kann sich natürlich auch fragen, ob wir sie noch alle haben in Frikadellenkaltland (siehe den Blog vom 13.10.2009). Aber nein: Diskriminierungsrecht funktioniert nun einmal so. Der Typ, der in den USA erfolgreich wegen religiöser Diskriminierung gegen seinen Rauswurf geklagt hatte, welcher wiederum mit dem geräuschvollen Verzehr von Katzenfutter aus Dosen begründet war (was die Kollegen störte), den gab es wirklich.

Aber zurück zur Frage, was eine Ethnie ist. Die MORGENPOST hat sich mit Prof. Wolfgang Däubler (siehe Link oben) einen Interviewpartner gegriffen, der es zwar nach eigener Aussage auch nicht weiß, aber meint, neige der Gleichung Ossie = Ethnie er doch zu, denn:

“…Ostdeutsche werden nun mal von der Mehrheit der Westdeutschen mit bestimmten, für sie charakteristischen Eigenschaften in Verbindung gebracht…”

Ja, aber Rechtsanwälte auch.

Wer weiß schon, warum “Ossi” auf den Unterlagen stand, nett war es vermutlich nicht gemeint.

Mit welchen Eigenschaften bringen, Herr Däubler, die Westdeutschen die andere Ethnie eigentlich in Verbindung? Ich lebe wohl schon zu lange unter Ossis, um das festzustellen, aber für Bremer, Schwaben und Bayern (letztere wären ja froh, als Ethnie endlich ernst genommen zu werden), da fiele mir ja was ein; als Schwabe für Schwaben natürlich nur Positives, über Bremer nichts dergleichen und - na ja - Bayern sind ja wirklich eine Ethnie, denn sie haben eine andere und eigenständige Sprache, die in Berlin-Lichtenberg nicht verstanden oder gesprochen wird.

Das Arbeitsgericht Stuttgart soll “in wenigen Wochen” entscheiden. Da wären wir gerne dabei, leider weiß man (1) nicht, ob die Presse damit die Güteverhandlung meint, in der nichts entschieden wird, (2) kann uns das Arbeitsgericht Stuttgart selbst erstmal nicht weiterhelfen, weil dort in den interessanten Pressemitteilungen seit Monaten ja immer nur (auf einer unterirdisch gestalteten Homepage) die “KiA” (für “Kunst im Arbeitsgericht”) angekündigt ist, aber rein gar nichts aus der Tätigkeit des Gerichts. Die Kunst habe ich beim meinem letzten Auftritt ort wohl echt übersehen. Nun gut. Wir googeln weiter Nachrichten und wollen das Thema aber behandelt sehen - unser Beileid an die betroffene Kammer des Gerichts.

Anmerkungen:

(*) Wir nehmen mit Sicherheit an, dass Gabriela S. genauso wenig Gabriela oder S. (wäre auch ein S……nachname) heißt, wie Barbara B. Emmely hieß. Wenn man wissen will, um wen es geht, muss man leider immer warten, bis ein Journalist endlich die Persönlichkeitsrechte verletzt hat oder die Parteien beim Europäischen Gerichtshof angekommen sind - beim AGG nicht ausgeschlossen. In dessen Unterlagen steht dann alles schwarz auf weiß.

(**) Der Begriff war schon im Gesetzgebungsverfahren umstritten und, ehrlich gesagt, ist er ja auch falsch; man weiß seit den Genforschungen der 90er, dass wir alle aus Afrika stammen. Als man in den 90ern in Großbritannien noch überall, und auch an der Uni, ankreuzen musste, welcher “race” man meine, anzugehören - es standen ca. 15 (!) zur Auswahl) - hatte ich eine Kommilitonin aus der Karibik, die immer “other” ankreuzte und “human” daneben schrieb. Eigentlich hatte mich eine mir sehr nahestehende Ethnologin mal darüber informiert, dass die Wissenschaft “Ethnie” gerade zur Vermeidung des Begriffs “Rasse” verwende, was eine synonyme Bedeutung nahelegt, die dem Gesetzgeber ebenso wie Herrn Däubler entgangen sein muss - nein, dass MoPo-Interview mit ihm sollte man trotzdem gelesen haben, wirklich - aber ich frage noch einmal nach…

Wir berichten, wenn wir was erfahren. Versprochen.


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Topics: Alltag im Arbeitsrecht, Grundsätzliches |

3 Kommentare to “Gabriela S., die ethnisch diskriminierte Ossi - sind Ostdeutsche eine Ethnie?”

  1. Wolf Reuter meint:
    27.November 2009 at 11:21 am

    Den JW-Artikel lesen Sie besser nicht. Die Kommunisten lassen da alle Galle über den “Kapitalismus und seine Demokratie” ab.

  2. Wilhelm meint:
    27.November 2009 at 3:42 pm

    Sie rvergessen zu sagen, dass der Katzenfutterfresser mit Erfolg argumentiert hat, seine Religion, der glaube ich nur er allein angehöre, verlange das von ihm…

  3. Wolf Reuter meint:
    2.Dezember 2009 at 11:37 am

    Nach Auskunft des Arbeitsgerichts Stuttgart gab es bereits eine Güteverhandlung, die aber scheiterte. Kammertermin ist nach derzeitigem Stand der Dinge wohl der 15. April 2009.

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