Reuter Arbeitsrecht

Wer schreibt hier?

Dieses Blog ist ein Service des Berliner Rechtsanwalts und Fachanwalts für Arbeitsrecht Wolf Reuter, LL.M..

Themen

Links


Neuste Kommentare:


« Frohe Weihnachten | Home | Urlaub FAQs überarbeitet »

Die Sprache und die Wahrheit - Plädoyer für Tuyuca als neue Gerichtssprache

Von Wolf Reuter | 4.Januar 2010

PROLOG

Wir wollen das Jahr NICHT mit sog. Bagatellkündigungen und deshalb NICHT mit Emmely beginnen. Dieses höchst beschi begrenzte Thema hat das alte Jahr für Ingrid Schmidt mit einem Sturm der Entrüstung enden lassen. Frau Schmidt gilt nicht eben als Arbeitgeberlobbyistin. Sie hatte in einem Interview nur versucht, zu erklären, warum Arbeitsrichter so wenig Verständnis für Diebstähle haben und warum man das nicht als “Bagatelle” bezeichnen darf. Der dann hereingebrochene Sturm (schöner Kommentar: Zettels Raum) übertrifft alle Erwartungen. Die SPD will jetzt umso eher an die Gesetzesreform gehen, die Verurteilung von Klau findet die Linke gar “unzeitgemäß”. Unsere Position hier ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass es im Jahr maximal zwei Dutzend solcher Kündigungen gibt. Es handelt sich deshalb nicht um ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema. Investiert, liebe Debattenteilnehmer von Blüm bis Thierse, doch all Euer Streben und Weben mal in etwas Sinnvolleres. Auch das Arbeitsrecht hat da einiges zu bieten.

DIE WAHRHEIT

Die Wahrheit ist in einem Gerichtsverfahren nicht unbedingt herauszufinden. Das gilt mit Einschränkungen sogar im Arbeitsgerichtsverfahren, dessen Wahrheitsfindung nach unserer Beobachtung aus irgendwelchen Gründen aber weit oberhalb der Erfolgsquoten von Straf- und Zivilgerichten liegt (vielleicht auch nur deshalb, weil die immer erst terminierten, wenn alle Beteiligten vergessen haben, dass es einen Prozess gibt). Es folgt strengen Regeln, hat aber - wie jedes Forum - seine eigene Wirklichkeit. Schön ist immer, wenn alle Parteien eines Rechtsstreits nach Beweisaufnahme und Urteil meinen, “ihren Fall” nicht wiederzuerkennen. Selbst schuld.

Durch das auch 2009 wieder unübertroffene Jahresend-Double-Issue des Economist (die - selbstverständlich britische - Krone des internationalen Journalismus) wurde uns jetzt bewusst, dass Juristen vielleicht einfach nicht tief genug nach der Erkenntnis graben. Sprachforscher und Anthropologen sind da weiter.

Auf der Suche nach der schwersten Sprache streifte der Economist zunächst kurz das Deutsche, mit einem Mark-Twain-Zitat (Mark Twain sprach exzellent Deutsch), nach dem in Deutschland ein Mädchen keinen Sex bzw. kein Geschlecht habe, eine Rübe aber schon (where a young lady has no sex, but a turnip has). Also, für Schnellmerker, die Doppeldeutigkeit ist beabsichtigt, bezieht sich aber auf das grammatikalische Geschlecht (Neutrum im Falle von “Mädchen”, für alle, die den Scherz jetzt immer noch nicht verstanden haben - und ich schreibe das nur, weil beim erzählen der Groschen meist nicht fällt).

Weil aber diese Komplexität nicht ausreichte, um die Krone der schwierigsten Sprache zu erringen, stieß man u.a. auf Tuyuca, eine Sprache des östlichen Amazonasgebiets. Tuyuca schlagen wir als neue Gerichtssprache vor. Diese Sprache zwingt den Verwender bei der Benutzung eines Verbs klarzumachen, warum man etwas weiß. So bedeutet Diga ape-wi etwa, “der Junge hat Fußball gespielt (ich weiß es, weil ich es selber gesehen habe)”. Das gleiche Verb mit einer anderen Endung (diga ape-hiyi) bedeutet dagegen “der Junge hat Fußball gespielt (das nehme ich an und habe es nicht selbst gesehen, sondern aus zweiter Hand erfahren).

Das finden wir absolut großartig. Das Lügen in Schriftsätzen und im Zeugenstand ist dadurch stark eingeschränkt - denn vor Gericht geht es ja meist um die Wahrnehmung von Tatsachen, aber sehr ungern nur wird preisgegeben, wie man an diese Tatsachen gekommen ist und insbesondere, ob sie auf eigener Beobachtung beruhen (also wahrheitsnah sind) oder nicht. Eine Änderung des Gerichtsverfassungsgesetzes ist aber auch von der neuen Regierung nicht geplant.

DER ARBEITSRECHTLICHE BEZUG

Da sind wir wieder bei Dir, liebe Emmely. Auf Tuyuca hättest Du und Dein Herr Rechtsvertreter es eben nicht fertiggebracht, einfach ohne weiteres erst einmal alle Mitarbeiter außer Dir selbst zu beschuldigen, nicht wahr?

Einen guten Start ins Jahr 2010 an Alle.


Verwandte Artikel


Literatur zum Thema

Die Station in Strafsachen
Ernemann / Fuhse / Johannsen / Kraak / Palder / Pfordte / Westphal
EUR 16,00
Internationales Vertragsrecht
Ferrari / Kieninger / Mankowski / Otte / Saenger / Staudinger
EUR 138,00
Die Deutsche Bank 1870 1995
Gall, Lothar / Feldman, Gerald D. / James, Harold / Holtfrerich, Carl Ludwig / Büschgen, Hans E.
EUR 39,90
Partnerschaftsgesellschaftsgesetz: PartGG
Meilicke / Graf von Westphalen / Hoffmann / Lenz / Wolff
EUR 38,00
Gerichtskostengesetz. Justizvergütungs und entschädigungsgesetz: GKG JVEG
Binz / Dörndorfer / Petzold / Zimmermann
EUR 68,00
Mustersammlung Erwachsenenvormundschaft
Geiser / Langenegger / Minger / Mosimann / Nicod
EUR 35,00
Unterhalt Edition 1 / 2007
Müller / Hoffmann
EUR 99,00
Disziplinarrecht und Zulassungsentziehung
Ehlers / Hesral / Reinhold / Steinhilper / von Strachwitz Helmstatt
EUR 50,00
Deutsches Wirtschaftsrecht
Cebulla / Rodenbeck
EUR 25,00
Das neue Schuldrecht
Haas / Medicus / Rolland / Schäfer / Wendtland
EUR 38,00
Wörterbuch der Rechts und Wirtschaftssprache = Dictionary of Legal and Commercial Terms Teil 2: Deutsch Englisch
Romain / Byrd / Thielecke
EUR 77,00
Beck`scher PostG Kommentar
Badura / v. Danwitz / Herdegen / Sedemund / Stern
EUR 84,00
Rechtsstellung der Führungskräfte im Unternehmen
Hansen / Kelber / Zeißig / Breezmann / Confurius
EUR 84,00
Die beschränkte Steuerpflicht im Einkommen und Körperschaftsteuerrecht
Gassner / Lang / Lechner / Schuch / Staringer
EUR 76,00
Der Mietprozess
Beierlein / Kinne / Koch / Stackmann / Zimmermann
EUR 59,00
Handelsgesetzbuch: HGB
Baumbach / Hopt
EUR 78,00
Die Beteiligung der Arbeitnehmer in der Europäischen Gesellschaft SE
Nagel / Freis / Kleinsorge
EUR 48,00
Kommentar zum Deutschen Corporate Governance Kodex
Ringleb / Kremer / Lutter / v. Werder
EUR 98,00
Zwangsverwaltung
Haarmeyer / Wutzke / Förster / Hintzen
EUR 68,00
Strafgesetzbuch : StGB
Lackner / Kühl
EUR 50,00


Topics: Grundsätzliches |

Kommentare