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Gewerkschaften sind schuld am (Beinahe-) Tod des Hobbit – Hobbit-Arbeitsrecht in Neuseeland
Von Wolf Reuter | 27.Oktober 2010
“Der” Hobbit ist nicht gestorben, keine Sorge. Bilbo Baggins, dessen Abenteuer in JRR Tolkiens “The Hobbit or There and Back Again” aus dem Jahr 1937 (!) beschrieben werden, ist absolut lebendig, obwohl er eigentlich in der “Fortsetzung” des Buches, “The Lord of The Rings” stirbt. Das posthume Über- oder Aufleben liegt natürlich daran, dass Starregisseur Peter Jackson (endlich) die Hobbit-Verfilmung im zauberhaften Neuseeland dreht. Oder auch fast nicht gedreht hätte.
Jetzt kommt es wohl erstmals dazu, dass ein Film die Arbeitsgesetze eines ganzen Landes ändert. Für so einen Film braucht man eine Menge Nebendarsteller und vor allem Statisten, aber natürlich auch die berühmten Techniker, die mit den Massenszenen bei “The Lord of The Rings” Filmgeschichte geschrieben haben. Diese Leute sind vor allem eines – Arbeitnehmer.
Arbeitnehmer wollen bessere Rechte haben und dafür streiken sie auch manchmal. Nicht außergewöhnlich. Hier aber drohte die Produktionsfirma nach einem Zusammenstoß mit der Media, Entertainment and Arts Alliance (MEAA) – einer Gewerkschaft – die gesamte Produktion aus Neuseeland abzuziehen. Tausende demonstrierten gegen die MEAA auf der Straße, denn Neuseeländer identifizieren sich mit den Jackson-Filmen sehr. So sehr, dass sich schließlich der Premierminister, John Key, persönlich einschaltete. In Deutschland undenkbar: Einmischung der Politik in Tarifverhandlungen.
In Neuseeland aber handelt es sich auch um ein “besonderes” Tarifrecht, wenn man es von deutscher Perspektive aus betrachtet. Der Clou an den von der MEAA vertretenen Gewerkschaften geforderten Regelungen war letztlich, dass es der Produktionsfirma verboten ist, Mitarbeiter unter Vertrag zu nehmen, die keine Gewerkschaftsmitglieder sind (!). Auch eigenwillig – aus deutscher Perspektive. Key sagt jetzt, er werde dafür sorgen, dass im Arbeitsrecht die wohl streitentscheidende Definition geändert werde, was ein “contractor” sei – damit wird der Gewerkschaft das Wasser abgegraben.
Wow. Das muss man erst mal erreichen. Sind die Produktionsfirmen Erpresser eines kleinen Landes, die Regierung korrupt? Nein. Der Ärger war importiert. Die MEAA ist aus Australien, dem – viel größeren – Nachbarstaat. Sie wurde als Fremdkörper empfunden und hat mir ihren aggressiven Methoden die meisten Beteiligten in den Wahnsinn getrieben (und die lokale Filmindustrie fast in den Ruin). Die Neuseeländer erklärten schließlich, die Gewerkschaft versuche, sie zu einem weiteren australischen Bundesstaat zu machen. Das wollte man in Hobbitland natürlich nicht.
Tolkien bleibt ein Phänomen, dessen Strahlkraft beständig zunimmt. Wer Literatur studiert, kommt an der Beowulf-Kommentierung des Professors nicht vorbei. Als Literat haben ihm die Hobbbits längst Weltruhm gesichert. Und posthum ändert er noch das Arbeitsrecht eines Commonwealth-Staates.
Kopfnote: 1
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Topics: Alltag im Arbeitsrecht | 1 Kommentar »

27.Oktober 2010 at 11:06 am
@alle Tolkien-Fans – ich gebe zu, dass Bilbo nicht wirklich stirbt, sondern von den Elben mitgenommen wird – ok?